10 Jahre Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit e.V.

10 Jahre Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit e.V.

Berlin/Jena. Am 8.11.12 beging die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) ihr zehnjähriges Bestehen im Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße in Berlin. Nach der Mitgliederversammlung folgte die „Festveranstaltung“.
Gründungsmitglied der BAG Hartmut Fritz, Geschäftsführer des Caritasverbandes Frankfurt, ließ die Anfangsjahre der Gemeinwesenarbeit Revue passieren. Wichtig war und ist es „dem Quartier oder den Menschen eine Stimme zu geben“, so Fritz. Die Anfänge der „Sozialen Stadt“ reichen mehrere Jahrzehnte zurück. Fritz resümiert die Anfänge der Gemeinwesenarbeit, die unter anderem mit der „Bekämpfung“ von Obdachlosigkeit und Wohnungsnot, insbesondere in Hessen, verbunden waren. Er erinnerte an Vor-Ort-Gespräche Ende der 1980er Jahre mit Klaus Töpfer, dem späteren Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. Neben Hessen gab es auch in NRW und Hamburg Landesprogramme die der Bund-Länder-Initiative „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ 1999 den Weg ebneten.

Die „Soziale Stadt“ als ein Programm der Städtebauförderung ist wie jedes Bundesprogramm von politischen Entscheidungen, insbesondere der Haushaltspolitik, abhängig. So wurde die Veranstaltung von einer nicht erfreulichen Nachricht überschattet. Die von 40 auf 50 Millionen aufgestockte Förderung für das Programm „Soziale Stadt“ für 2013 wurde kurzerhand wieder auf 40 Millionen gekürzt. Stattdessen wurden die 10 Millionen auf das Förderprogramm Stadtumbau West transferiert.

Neben weiteren Festrednern reflektierte abschließend Sabine Stövesand, Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, die Stadtteilarbeit. Sie thematisierte die soziale Stadtentwicklung und regte mit ihren thematischen Ausführungen über mangelnde Kohäsion, fehlende Solidarität, Wohnen als Ware oder Visitenkartenprojekten zum Nachdenken an. Letztendlich gibt es keinen sozialen Wandel ohne Konflikte, so Stövesand. Weiterhin warnte sie vor einer fortschreitenden Privatisierung der Sozialräume. Damit meint sie das Verschwinden von sozialen Gruppen (Visitenkarten) aus der Stadt bzw. dem Stadtteil. Die Folge, die soziale Armut verschwindet aus dem Sozialraum. Nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Um diesem Trend zu begegnen, reicht die soziale Lobby nicht aus, sie hat nicht das notwendige Standing dafür, konstatiert Stövesand.

Anschließend wurde die Diskussion im Podium weitergeführt. Die Programm-Intention der Sozialen Stadt ist eigentlich keine Erfindung der Neuzeit. Darauf verwies Dr. Rolf-Peter Löhr, bis 2006 stellvertretender Institutsleiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, und zitierte den heiligen Augustinus, der bereits im 4. Jahrhundert erkannte, dass die Stadt nicht nur aus Häusern und Straßen bestehe, sondern auch aus Menschen mit ihren Hoffnungen. In diesem Sinne hoffen auch wir, dass der Diskurs um die Gemeinwesenarbeit sowie um die „Soziale Stadt“ konstruktiv und interdisziplinär weitergeführt wird. Dafür setzen sich die BAG und die Landesarbeitsgruppen ein. In Thüringen sind wir mit ThINKA auf dem richtigen Weg!

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